Lebensraum für Insekten

In den vergangenen Monaten häuften sich Meldungen zum Thema Insektensterben. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Mögliche Ursachen des Insektensterbens

Da ist zunächst der Flächenverbrauch für Wohnungen, Industrie und Verkehr. Außerdem gab es in den vergangenen Jahrzenten einen gravierenden Strukturwandel in der Landwirtschaft von vielen kleinbäuerlichen Betrieben hin zu wenigen Großbetrieben mit entsprechend großen Maschinen. Das führte im Ackerbau zu immer mehr großflächigen Monokulturen zum Beispiel von Mais und dem damit verbundenen Einsatz von Pestiziden und Insektiziden. Und dazwischen breite asphaltierte Wege ohne Feldraine. Die Wiesen wurden früher im Juni gemäht, um Heu zu machen, heute werden sie bereits im Mai gemäht zur Silagebereitung. Dadurch werden viele unserer Wiesenblumen vor oder während der Blüte gemäht und damit verdrängt. Extensiv zu bewirtschaftende Flächen wie Steillagen, Magerwiesen, Wacholderheiden werden oft gar nicht mehr gemäht oder beweidet und verbuschen. Wichtige Lebensräume für Insekten gehen verloren!

Der Albverein erhält Kulturlandschaften

Da setzt die Arbeit des Schwäbischen Albvereins an: Alte Kulturlandschaften mit ihrer Artenvielfalt sollen als Lebensraum für Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Käfer ebenso wie für Eidechsen, Vögel und andere Lebewesen erhalten werden. So pflegen die freiwilligen Helfer beispielsweise Wacholderheiden, indem sie diese einmal im Jahr mähen und freischneiden und so vor Verbuschung schützen. Damit kann u.a. das Vorkommen des heute sehr seltenen Wiesenknopf-Bläulings gesichert werden.

Blumenwiese unterm Uhlbergturm

Ein Vorzeige-Projekt in Sachen „Lebensraum für Insekten“ ist ein Grundstück unterhalb des Uhlbergturms, Teil eines aufgegebenen Weinbergs. Der Albverein (OG Plattenhardt) versucht seit ein paar Jahren die rund zehn Ar große Fläche als Blumenwiese zu erhalten. Dazu wird die Wiese nur einmal im Jahr gemäht, und zwar erst nach dem Verblühen der meisten Blumen also Ende August/Anfang September. Mit dem Erfolg, dass auf der relativ kleinen Fläche inzwischen über 60 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen wurden, darunter auch die streng geschützte Bienen-Ragwurz und das seltene Tausendgüldenkraut. Außerdem leben auf dieser Wiese mehrere Individuen der ebenfalls streng geschützten Zauneidechse.

Informationstafeln für Besucher

De facto liegt die Wiese im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung. Am Wochenende ist sie vor allem bei Familien mit Kindern beliebt, ein alter Weißdorn dient schon seit Generationen als Kletterbaum für Kinder. Wenn man als Naturschützer dann die empfindliche Bienen-Ragwurz oder die Eidechsen sieht, dann liegt es nahe, ein Betretungsverbot auszusprechen und die Wiese einzuzäunen. Andererseits ist man sich beim Albverein im Klaren darüber, dass allein mit dem Erhalt dieser kleinen Blumenwiese die Insektenwelt nicht gerettet werden kann. Deshalb will die Ortsgruppe Plattenhardt über die zum Erhalt der Blumenwiese nötigen Pflegemaßnahmen hinaus die vielen Besucher über ihre Arbeiten und die ökologische Bedeutung solcher Refugien informieren, Interesse wecken und für das Thema Artenschutz sensibilisieren. Eine Informationstafel mit Abbildungen von über 50 auf der Wiese wachsenden Blumen soll die Besucher anregen, selbst zum Erhalt solcher Biotope beizutragen.

Bericht von Dieter Striebel, Naturschutzwart der Ortsgruppe Plattenhardt
Quelle: Wanderzeit des Deutschen Wanderverbands (März 2018)

Baumpflege nahe Nägelehaus abgeschlossen

Wer kennt nicht das auffallende Kiefernwäldchen oberhalb des Nägelehauses bei Albstadt-Onstmettingen? „Hier sind in den letzten Jahren immer wieder dünnere dürre Äste von den Kiefern abgebrochen, zum Teil in unmittelbarer Nähe von Sitzbänken und vom Kinderspielplatz“, erklärt Naturexperte Reinhard Wolf. Eine genaue Sichtung des auf Albvereinseigentum stehenden Wäldchens zusammen mit dem Forstamt des Zollernalbkreises im vergangenen Jahr hat ergeben, dass nun auch dickere Äste dürr und mehrere Bäume sogar ganz im Absterben begriffen waren. „In einem „normalen Wald“ überlässt man derartiges Totholz den Insekten, an einer so viel begangenen Stelle wie dem Gelände zwischen Nägelehaus und Raichbergturm kann man das nicht verantworten“, so der ehemalige Vize. Revierförsterin Annette Schmid habe deshalb im Auftrag des Albvereins eine Spezialfirma beauftragt, das Erforderliche zu tun, um die Verkehrssicherungspflicht zu gewährleisten: Ein rundes Dutzend Bäume wurde Anfang Februar entfernt, an einem weiteren Dutzend wurde von Baumkletterern das Dürrholz entfernt (siehe Bild).Der Eingriff wurde so gering wie möglich gehalten.